Bundesrechnungshof kritisiert Beschaffung des neuen Bundeswehr-Sturmgewehrs
- S B
- 25. Juli
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Berlin – Der Bundesrechnungshof hat erhebliche Zweifel an der Beschaffung und Erprobung des neuen Standard-Sturmgewehrs G95A1 der Bundeswehr geäußert. Nach Auffassung der Rechnungsprüfer besteht das Risiko, dass die Waffe unter realistischen Einsatzbedingungen nicht die erforderliche Präzision erreicht.
Im Mittelpunkt der Kritik steht ein Änderungsvertrag zwischen dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und dem Hersteller. Nach Angaben des Bundesrechnungshofes wurden die Bedingungen für den Präzisionsnachweis verändert. Statt mit der bei der Bundeswehr eingeführten Gefechtsmunition unter einsatznahen Bedingungen seien die Nachweise teilweise unter Laborbedingungen und mit ziviler Präzisionsmunition erfolgt.
Der Bundesrechnungshof kommt zu dem Schluss, dass dadurch nicht mehr sichergestellt werden könne, dass das Sturmgewehr unter realen Gefechtsbedingungen die geforderte Treffgenauigkeit erreicht. Wörtlich heißt es, die Bundeswehr benötige „ein Sturmgewehr, das mit der eingeführten Gefechtsmunition unter realen Bedingungen ausreichend präzise trifft“. Dieses Ziel könne aufgrund der geänderten Prüfbedingungen nicht mehr zuverlässig nachgewiesen werden. (Tagesspiegel)
Besonders brisant ist die Kritik vor dem Hintergrund der Vorgeschichte des G36. Bereits dessen mangelnde Präzision bei hoher Wärmebelastung hatte vor Jahren zu einer langwierigen Debatte geführt und letztlich die Neubeschaffung eines Standard-Sturmgewehrs ausgelöst.
Das Bundesverteidigungsministerium wies die Vorwürfe des Bundesrechnungshofes zurück. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers seien die Anforderungen an den Hersteller nicht abgesenkt worden. Das G95A1 habe die Auswahltests erfolgreich bestanden und werde zusätzlich unter Truppenbedingungen geprüft. Die Kritik des Bundesrechnungshofes wurde als „unsachlich“ bezeichnet. (tagesschau.de)
Ungeachtet der Kontroverse hält die Bundeswehr an der Einführung des G95A1 fest. Nach Angaben der Bundeswehr wurde das neue Sturmgewehr nach umfangreichen Erprobungen ausgewählt und soll schrittweise das G36 ersetzen. Die Auslieferung erfolgt seit Ende 2025. Die Bundeswehr betont, dass das Waffensystem hohe Anforderungen an Präzision, Zuverlässigkeit und Modularität erfülle. (Bundeswehr)
Die Kritik des Bundesrechnungshofes verdeutlicht erneut die Herausforderungen bei großen Rüstungsbeschaffungen. Für die Soldatinnen und Soldaten steht dabei eine zentrale Frage im Vordergrund: Ob das neue Standardgewehr unter den Bedingungen eines militärischen Einsatzes die geforderte Leistungsfähigkeit zuverlässig erbringen kann.


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